Mein erster Tag
Jetzt hab ich endlich mal wieder ein bisschen Ruhe und kann euch etwas schreiben. Ich hab mir das etwas einfacher vorgestellt den blog up to date zu halten. Abends vorm schlafen gehen mal kurz ein paar Zeilen schreiben und gut….war wohl nichts! Zum einen ist man hier irgendwie immer mit irgendwas beschäftigt, ob nun Fliegerei oder Privates, es lässt nicht viel Spielraum, um euch etwas mitzuteilen. Ich möchte ja auch keine Steno-Berichte abliefern, ihr sollt es ja auch gerne lesen, ohne euch zu fragen, wann der Eintrag endlich zu ende ist.
Aber ich glaub, ich halt mich in Zukunft etwas kürzer, sonst bin ich wieder da und schreib noch ne Woche in Hamburg über Phoenix ;)
Und nun zu meinem ersten Tag. Er fing im Grunde genauso an, wie der Tag davor endete. Nämlich mit lustigen Ideen meiner Kurskollegen! Wie ihr euch aber denken könnt, war auch diese Idee nicht darauf ausgelegt, dass ich sie lustig finden sollte. Mission Accomplished, denn ich fand es nicht besonders lustig, nach einem 30 Stunden Tag und einem Spiesrutenlauf der ganz besonderen Art, mit einer Tröte geweckt zu werden, die offensichtlich eher dazu verwendet werden sollte, im Stadien Sportler anzufeuern. Nun wurde ich damit angefeuert, wie nett! Abgesehen von der Lautstärke, die mich an einen Hochseedampfer erinnerte, viel mir auch spontan ein, wo ich dieses Geräusch auf jeden Fall nicht mehr hören würde. Nämlich in einem deutschen Stadion während der Fußball-Weltmeisterschaft… was’n Scheiß!!!
Es war sechs Uhr, ich hatte keine vier Stunden geschlafen, der erste Termin war erst um acht, aber einschlafen konnte ich nicht mehr. Wollte ich auch gar nicht mehr, nachdem ich aus meinem Fenster schaute. Ich dachte ich sehe nicht recht, da standen einfach so Flugzeuge herum, 100 Meter von mir entfernt und dahinter gleich die Runway und dahinter Berge. Das war letzte Nacht alles nicht zu erkennen. Hier einmal Bilder von meinem Ausblick von links nach rechts.



Keine fünf Minuten später sah ich auch schon meine erste Bonanza starten, unser Schulungsflugzeug. Merkwürdiges Gefühl, wenn man weiß, dass man das in wenigen Tagen schon selber machen darf.
Ich bin dann erstmal mit den Jungs in der Kantine frühstücken gegangen. Zum Glück war einer dabei, der uns in die amerikanischen Sitten einführen konnte. Toast, Rührei und Orangensaft, mein erstes Frühstück in den USA. Nicht besonders weltbewegend, ich weiß, klingt auch nicht anders als bei uns, war es auch nicht.

Was aber an meinem Nachbartisch vor sich ging, das war schon etwas gewöhnungsbedürftig. Bohnen, Speck, Rührei, Würstchen, Cola und ein Törtchen. Ich schaute erstmal auf meine Uhr, um mich zu vergewissern, dass wirklich Frühstückszeit war. Es war Frühstückszeit, und es schien auch nichts Außergewöhnliches zu sein, zumindest nicht für einen Cowboystiefeltragenden Fluglehrer aus Arizona.
Der restliche Tag war eigentlich nicht so spannend. Der Zeitplan war gefüllt mit administrativem Firlefanz. Tausend Formulare waren zu unterzeichnen, die Hausordnung wurde bekannt gemacht, Flugschulleitung und –angestellte vorgestellt, Sicherheitseinweisung durchgeführt, Technikunterricht abgehalten und…ach ja, doch noch was Interessantes…Fingerabdrücke abgenommen! Die Amis stehen auf so was. Die haben hier extra einen Typen, Ernie, der die ganze Zeit nichts anderes macht, als Fingerabdrücke zu nehmen. Und den Job nimmt Ernie ernst! Nach eineinhalb Stunden hatte er endlich unsere Fingerabdrücke und war glücklich. Jeder Finger einzeln und dann noch mal jeweils die halbe Hand auf einmal. Ernie wird schon wissen was er da tut. Er sagte mir übrigens, ich hätte gute Fingerabdrücke, was auch immer das zu bedeuten hatte.
Danach haben wir uns noch mal ewig damit herumgeschlagen, uns per Internet bei einer amerikanischen Behörde als Flugschüler registrieren zu lassen und dann war der Tag auch schon gelaufen.
Danach hab ich dann etwas ausgespannt, meinen ersten Sonnenuntergang in Arizona beobachtet und alles auf mich wirken lassen…


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